Wie gelingt echte Teilhabe im Sport? Welche Verantwortung tragen Politik, Wissenschaft, Hochschulen und Sportvereine? Und welche Chancen bieten Olympische und Paralympische Spiele für eine inklusive Gesellschaft? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich eine Podiumsdiskussion des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) am vergangenen Donnerstag an der Universität Kassel. Gemeinsam diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Leistungssport und Vereinswesen über die Zukunft eines inklusiven Sports in Deutschland.
Durch die Diskussion führte Pascal Scheffel, Projektmanager des Projekts „Inklusionsmobil – Sport vereint“, der mit gezielten Impulsen und der Einbindung des Publikums einen abwechslungsreichen Austausch zwischen den Gästen ermöglichte.
Auf dem Podium vertreten waren Daniel Bettermann, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Kassel, Juliane Wolf, Para-Tischtennisspielerin, Prof. Dr. Felix Welti, Professor für Sozial- und Gesundheitsrecht, Recht der Rehabilitation und Behinderung an der Universität Kassel, Niklas Butzmann, Leitung Inklusion & Soziales der ACT Kassel, sowie einem Sportlehramtsstudenten der Universität Kassel.
Olympische und Paralympische Spiele als Chance für mehr Inklusion
Zu Beginn der Diskussion stand die Frage im Mittelpunkt, welche Chancen eine mögliche Bewerbung Deutschlands für Olympische und Paralympische Spiele bieten würde. Einigkeit herrschte darüber, dass eine solche Großveranstaltung weit mehr sein kann als ein sportliches Highlight. Sie bietet die Möglichkeit, den Paralympischen Sport sichtbarer zu machen, Barrieren in den Köpfen abzubauen und Investitionen in inklusive Sport- und Bewegungsangebote anzustoßen.
Gleichzeitig wurde betont, dass der langfristige Erfolg davon abhängt, ob die positiven Impulse nach den Spielen in den Vereinen, Schulen und Kommunen ankommen und nachhaltig weitergeführt werden.
Teilhabe entscheidet sich im Alltag
Im zweiten Themenblock ging es um die Frage, wie das Recht auf Teilhabe im Sport im Alltag umgesetzt werden kann. Obwohl die gesetzlichen Grundlagen vorhanden sind, bestehen vielerorts weiterhin Hürden.
Prof. Dr. Felix Welti erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen und machte deutlich, dass vor allem die praktische Umsetzung verbessert werden müsse. Daniel Bettermann betonte die Verantwortung der Politik, Vereine und Organisationen durch geeignete Rahmenbedingungen zu unterstützen.
Aus Sicht der Vereinsarbeit schilderte Niklas Butzmann die Erfahrungen der ACT Kassel. Inklusion sei keine einzelne Maßnahme, sondern ein fortlaufender Prozess, der nur durch engagierte Menschen und verlässliche Strukturen gelingen könne. Viele Sportvereine seien bereit, inklusive Angebote auszubauen, stießen dabei jedoch häufig an personelle und finanzielle Grenzen.
Juliane Wolf ergänzte die Diskussion mit ihren Erfahrungen als Para-Tischtennisspielerin und machte deutlich, wie wichtig Begegnungen auf Augenhöhe und barrierefreie Sportangebote für eine selbstverständliche Teilhabe sind.
Inklusion beginnt bereits in der Ausbildung
Ein weiterer Schwerpunkt war die Ausbildung zukünftiger Sportlehrkräfte. Diskutiert wurde, wie Hochschulen angehende Lehrkräfte besser auf inklusiven Sportunterricht vorbereiten können.
Dabei wurde deutlich, dass praktische Erfahrungen und regelmäßige Berührungspunkte mit inklusiven Sportgruppen bereits im Studium eine wichtige Rolle spielen. Ziel müsse es sein, Inklusion als selbstverständlichen Bestandteil der Ausbildung zu verankern.
Ehrenamt bleibt unverzichtbar
Zum Abschluss stand die Bedeutung des Ehrenamts im Mittelpunkt. Alle Beteiligten waren sich einig, dass Sportvereine ohne das Engagement freiwilliger Helferinnen und Helfer nicht funktionieren würden – insbesondere im Bereich inklusiver Sportangebote.
Niklas Butzmann machte deutlich, dass es gelingen müsse, Menschen langfristig für ehrenamtliches Engagement zu begeistern und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Vereine weiter zu verbessern. Auch Daniel Bettermann unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamts und sprach sich für eine stärkere politische Unterstützung aus.
Wertvolle Impulse für die Vereinsarbeit
Für die ACT Kassel bot die Teilnahme an der Podiumsdiskussion die Gelegenheit, die Perspektive eines Mehrspartenvereins einzubringen und gleichzeitig neue Impulse aus Politik, Wissenschaft und Leistungssport mitzunehmen. Die Diskussion machte deutlich, dass Inklusion nur dann nachhaltig gelingen kann, wenn alle Akteure, von der Politik über Bildungseinrichtungen bis hin zu den Sportvereinen, gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Der Austausch hat einmal mehr gezeigt: Inklusion ist keine Aufgabe Einzelner, sondern ein gemeinsamer Prozess, der nur durch Zusammenarbeit, Offenheit und langfristiges Engagement erfolgreich gestaltet werden kann.